Lederarbeiten

Ledertaschen, -gürtel und -geldbörsen, kleine Ledertiere, Schmuckkästchen aus Leder und vieles mehr sind beliebt und liegen in noch steigendem Trend. Wenn man das richtige Werkzeug für Lederarbeiten zur Hand hat, ist das Arbeiten mit Leder ganz einfach.

Folgendes Werkzeug gehört unbedingt zu Ihrer Ausrüstung:
Am wichtigsten ist ein Ledermesser, das aber auch durch ein scharfes Messer für Pappe ersetzt werden kann. Außerdem brauchen Sie ein Stahllineal. Runde Formen werden mit einer Lederschere oder einer scharfen größeren Schere geschnitten (Abb. 1a). Zum "Ausschärfen" des Leders benötigt man ein scharfes Messer mit breiter Klinge (Abb. 1 ). Wenn Sie häufig Lederarbeiten machen, schaffen Sie sich eine Lochzange an (Abb. 1c), am besten eine Sechslochzange, deren "Pfeifen" verschiedene Durchmesser haben. Zum Vorstechen kleiner Löcher dient ein Pfriem, auch Ahle genannt (Abb. 1d). Zum Markieren der Stichbreite verwendet man am besten ein Kopierrädchen oder einen Dreizack (Abb. 1e). Der Dreizack kommt meist bei feinem Leder zur Anwendung, weil es besser ist, schmale Schlitze statt runder Löcher einzustemmen. Einen Hammer benötigen Sie zum Einschlagen des Dreizacks oder zum Flachklopfen von Nähten. Verzierungen können Sie mit Nägeln oder mit einem Lötkolben anbringen. Zum Nähen verwendet man am besten dreikantig zugeschliffene Ledernadeln, die das Leder leichter durchdringen, Als Nähmaterial nimmt man Zwirn, der durch Wachs gezogen wird, er gleitet dadurch besser und wird haltbarer. Natürlich können Sie auch auf einer Nähmaschine arbeiten.

1. Lederarten
Leder ist einer der schönsten Werkstoffe, die uns zur Verfügung stehen. "Lieferanten" des Leders sind meist unsere Haustiere:

Schaf, Rind, Ziege, Kalb und Schwein sowie der Wildbestand. Ausländische Lederarten, wie Antilope, Strauß, Krokodil, Eidechse usw. werden weniger für Laienarbeiten verwendet.

Ziegenleder ist schmiegsam und zäh, die Oberfläche meist glatt oder fein genarbt. Es eignet sich sehr gut zur Herstellung von Handschuhen.

Schweinsleder ist sehr geschmeidig und weich und lässt sich gut verarbeiten. Es eignet sich für Buchbinderarbeiten und Taschen. Leider ist es nicht billig. Kalbleder ist geschmeidig und doch fest; man kann Handtaschen ohne Futter daraus herstellen.

Rindleder ist sehr haltbar, aber hart und wenig geschmeidig. Für Laien weniger zu empfehlen.

Schafleder nimmt man hauptsächlich als Futterleder. Es hat eine weiche Struktur und reißt deshalb, allein verarbeitet, leicht ein. Bei entsprechender Qualität ist es allerdings für kleine Lederarbeiten gut zu verwenden.

Wildleder fühlt sich samtähnlich an und ist der Sammelname für gegerbte Häute von Hirschen, Rehen, Gemsen. Es ist sehr elastisch und weich und eignet sich zur Verarbeitung für Hüllen, kleine Handtaschen, Beutel usw.

Spaltleder entsteht dadurch, dass eine Haut in der ganzen Fläche gespalten wird, so dass eine Ober- und Unterseite entsteht. Die Unterseite wird wildlederartig zugerichtet und kommt als Velours- oder Rauhleder in den Handel.

Echsen- und Fischleder ist sehr weich und schmiegsam und eignet sich deshalb besonders zum Beziehen von kleinen Gegenständen.

Für größere Lederarbeiten kauft man, wenn möglich, eine ganze Haut. Es ist gut, das Schnittmuster zum Einkauf mitzunehmen. Die Preise werden nach Quadratmetern berechnet, bei Lederabfällen nach Gewicht, Oft finden Sie Material für Lederarbeiten auch zu Hause, z. B. alte Taschen, Buchhüllen, Gürtel usw. Leder kann mit Lederwaschmittel oder Benzin gereinigt werden. Falten entfernt man, indem man das Leder, die Innenseite nach oben, mit Reißnägeln auf ein Brett spannt und anfeuchtet, Ist das Leder hart geworden, gibt man dem Wasser etwas Glyzerin bei.

Besonders wichtig ist es, das für Ihre Arbeit am besten geeignete Leder einzukaufen; lassen Sie sich dabei vom Fachmann beraten.

Zum Verbinden von Lederstücken und zum Umschnüren von Kanten werden Riemchen verwendet, die es in Bastelläden gibt.

2. Zusammenfügen, nähen und kleben
Leder muss manchmal vor dem Zusammennähen oder Kleben "ausgeschärft" werden, Darunter versteht man das Dünnermachen von zu kräftigem Leder an den Kanten. Legen Sie dazu das Leder mit der rechten Seite nach unten auf eine Unterlage und halten Sie es fest. Mit dem scharfgeschliffenen Messer zieht man ganz flach über die Kanten (immer von sich weg) und nimmt dabei jedes Mal einen feinen Lederspan mit (Abb. 2). Diese Arbeit erfordert einige Übung und Vorsicht, damit man die Kanten nicht ausreißt. Üben Sie zunächst an einem Abfallstück!

Man kann Leder mit der Maschine oder mit der Hand nähen oder es verschnüren. Die Stärke des Leders bestimmt die Verbindungsart.

Schafleder und Ziegenleder lassen sich gut mit der Nähmaschine nähen. Für Kalbleder benötigen Sie eine Ledernadel. Wenn Sie Leder mit der Maschine nähen, halten Sie die zwei Lederlagen mit Klebeband zusammen, Stecknadeln eignen sich nicht. Setzen Sie eine Ledernähnadel ein und regulieren Sie die Fadenspannung und Stichbreite. Bei der Handnaht ist es gut, wenn Sie zum Vorstechen der Löcher ein Markierungseisen verwenden (Dreizack).

Wollen Sie das Leder mit Riemchen verschnüren, müssen zuerst die Ränder gelocht werden. Verwenden Sie dazu die Lochzange. Wenn Sie etwas Klebstoff auf die Ränder geben, halten sie besser zusammen, und die Löcher stimmen genau überein. Zum Umschlingen evtl. eine sogenannte Riemchennadel verwenden. Die gebräuchlichste Stichart ist der Sattlerstich. Die Löcher werden, wie schon erwähnt, mit Dreizack oder Pfriem vorgebohrt. Zwirn wird durch Wachs gezogen, an beiden Enden in kräftige Nadeln gefädelt und einmal von oben und einmal von unten durch das gleiche Loch gezogen. Wichtig für eine schöne Naht ist es, dass Sie die Fäden gleichmäßig fest anziehen. Angesetzt wird zwischen den aufeinander genähten Lederschichten. Eine dekorative Möglichkeit, zwei Lederteile zu verbinden, ist das Schnüren. Man kann die Lederriemchen dazu fertig kaufen oder aus einem runden Lederstück selbst schneiden (siehe Abb. 4). Wenn Sie Riemchen zusammenkleben wollen, schärfen Sie das jeweilige Ende des alten und des neuen Riemchens etwa 1 cm weit aus und kleben sie dann zusammen. Beim Schnüren benötigen sie immer eine Ahle oder eine Lochzange.

Bringen Sie damit die Löcher an, durch die die Riemchen gezogen werden. Legen Sie dazu Pappe unter das Leder, damit sich die Lochpfeifen nicht so schnell abnützen. Machen Sie die Löcher nicht viel größer als die Stärke der Riemchen. Versteifen Sie die Riemchenenden mit etwas Klebstoff, dann können Sie ohne Riemchennadel durch die Löcher fädeln. Sie können aber auch eine stumpfe Stopfnadel verwenden. Zur Befestigung von freistehenden Riemchenenden wird der erste oder letzte Stich verdoppelt, das Ende ausgeschärft und an der Innenseite festgeklebt. Bei doppeltem Leder können die Riemchenenden zwischen die Lederschichten geklebt werden.

Abb. 5 zeigt verschiedene Arten des Umschnürens. Einfache und kreuzweise Umschnürungen, die sogenannte "Wienernaht" und Riemchenflechtschmuck.
Es gibt Leder-Spezialklebstoffe, jedoch kann man auch Alleskleber verwenden. Zunächst schärft man die aufeinanderzuklebenden Teile aus und klopft sie mit dem Hammer etwas flach. Dann streicht man den Klebstoff dünn und gleichmäßig auf, lässt ihn etwas antrocknen und drückt die Lederteile fest zusammen.

3. Lederfärben
In Ihrem Bastelladen erhalten Sie Lederfarben. Machen Sie immer an einem Lederrest eine Farbprobe. Gehen Sie nach der Gebrauchsanweisung vor. Das gleiche gilt auch für Wildlederfarben. Bei dünnem Wildleder lässt sich auch die Technik der Knüpfbatik anwenden. Außerdem kann mit Filzstiften auf Leder gezeichnet werden, und auch Öl- und Acrylfarben sind dafür geeignet. Wenn das Lederstück verwaschen und gebraucht aussehen soll, trägt man Ölfarben und Wasser auf und wischt beides wieder teilweise ab.

4. Lederprägung
Das Prägen von Leder ist eine besonders attraktive Art der Oberflächenbehandlung. Man versteht darunter das Anbringen von vertieften Linien und Flächen im glatten Leder. Nägel mit großen Köpfen können verschieden zugefeilt werden: Dreiecke, Vierecke, Kreise usw. (siehe Abb. 6). Mit einer dicken Stricknadel kann man auch Punkte eindrücken. Dazu muss das Leder angefeuchtet werden, und zwar die ganze Fläche, um Wasserflecken zu vermeiden. Dann wird es auf eine Holzunterlage gespannt (Klebestreifen) und das Muster eingedrückt. Bei geraden Linien stechen Sie am besten mit der Stricknadel am Stahllineal entlang. Legen Sie unter das Lineal ein Stück. Pergamentpapier. Probieren Sie zuerst die Technik an Lederresten aus. Bei Musterungen muss nicht die ganze Lederfläche bedeckt werden. Oft genügt es schon, schlichte Reihenmuster mit einfachen Ornamenten einzuprägen.

5. Weitere Möglichkeiten der Verzierung
Da Leder nicht ausfranst, eignet es sich gut für Patchworkarbeiten und Applikationen. Für eine Patchworkarbeit schneidet man aus Lederresten kleine Flicken und näht sie von Hand oder mit der Nähmaschine (Ledernadel) zusammen. Mit dieser Methode können Sie preiswerte Taschen und Geldbeutel herstellen. Für Applikationen werden die ausgeschnittenen Formen auf der vorgesehenen Stelle leicht festgeklebt. Klebstoff sparsam auftragen, damit er an den Klebestellen nicht herausquillt. Die Teile können auch zusätzlich noch festgenäht werden.
  
Eine andere interessante Technik ist das Ausschneiden einer bestimmten Form aus dem Leder, um das entstandene Loch mit einer anderen Lederfarbe zu hinterkleben (siehe Abb. 7a); oder man schneidet ein Loch in ein Stück Leder und näht von Hand ein etwas kleineres andersfarbiges Lederstück hinein (siehe Abb. 7b). Wenn man Löcher in das Leder .stanzt und sie mit Garn im Knopflochstich einsäumt, erhält man ebenfalls hübsche Verzierungen. Selbstverständlich kann man auf dünnem Wildleder auch wunderschöne Stickereien anbringen. Quasten aus Leder sind einfach herzustellen: Schneiden Sie einen Streifen Leder in der gewünschten Breite und ca. 10 - 15 cm lang zu. Schneiden Sie an einer Längsseite Fransen, geben Sie etwas Klebstoff auf die andere Seite und rollen Sie das Ganze zusammen (siehe Abb. 8). Fügen Sie beim Zusammenrollen einen Lederriemen ein.