Drucktechniken

Als Drucktechnik bezeichnet man jede Technik, bei der man eine Oberfläche (Papier, Stoff, Holz, Metall, Glas usw.) mit Farbe bedruckt. Wir müssen vier verschiedene Verfahrensweisen unterscheiden: Hochdruck, Tiefdruck, Flachdruck und Siebdruck.

Beim Hochdruck wird ein sogenannter Druckstock hergestellt. Aus Kartoffeln, Linoleum, Holz, Metallplatten oder Gips werden Flächen und Linien mit speziellem Werkzeug herausgeschnitten. Die dadurch hochstehenden Teile werden meist mit einer Walze eingefärbt und auf Papier oder Stoff abgedruckt. Diese Technik ist für Kinder sehr geeignet, da die verschiedensten Materialien verwendet werden können und ihre Anschaffung billig ist.

Beim Tiefdruck handelt es sich um das entgegengesetzte Verfahren. Der Entwurf wird in eine Metallplatte eingraviert oder geätzt, die Platte wird eingefärbt und die Farbe mit einem Rakel entfernt. Dann wird ein angefeuchtetes Papier mit sehr starkem Druck (Presse) auf die Platte gepresst. Dabei saugt das Papier die Farbe aus den Vertiefungen an. Im Tiefdruckverfahren werden Kupferstiche und Radierungen hergestellt.

Der Flachdruck wird auch Steindruck oder Lithographie genannt. Man zeichnet hier mit fetthaltiger Tusche oder Kreide direkt auf eine Schieferplatte. Mit Säure, die Farbe abstösst, wird geätzt, so dass beim Druckvorgang nur die Zeichnung die Farbe annimmt. Diese Technik ermöglicht eine getreue Wiedergabe einer Zeichnung.

Verschiedene einfache Druckverfahren sind: Kartoffeldruck, Linoldruck, Walzendruck, Schablonendruck, Materialdruck, Schnurdruck und Monotypie. Mehr künstlerische Druckverfahren sind: Holz- und Kupferstich, Radierung und Lithographie.

Werkzeuge und Hilfsmittel, die Sie zu den aufgeführten Drucktechniken brauchen:
Druckfarbe (Japanaqua, Linoldruckfarbe)
saugfähiges Papier (Ingrespapier)
Gummiwalze (evtl. 2 Stück)
Glasplatten
Linoleum, Kartoffeln, Schnur, Pappe, Linolschnittbesteck, Pinsel, Terpentin

Für den Siebdruck benötigt man ein Sieb aus einer netzartigen Gaze (Drahtgewebe, Seide, Perlon, Organdy), das um einen Holz- oder Metallrahmen gespannt wird. Auf das Sieb wird Farbe aufgetragen und mit einem Rakel verteilt. Unter dem Sieb, unmittelbar auf dem zu bedruckenden Papier, liegt eine Schnittschablone, die man mit einem Messer oder einer Schere herstellen kann. Die Farbe dringt durch das Sieb und bedruckt das Papier dort, wo es nicht von der Schablone bedeckt ist. Im Siebdruckverfahren lassen sich auch sperrige Materialien wie Glas und Blech bedrucken.

Walzendruck: Bei dieser einfachen Drucktechnik können Sie das Hantieren mit der Walze ein wenig üben. Sie werden erstaunt sein, wie effektvoll die Ergebnisse sein können. Verwenden Sie zum Experimentieren am besten unbedrucktes Zeitungspapier. Etwas Japanaqua auf eine Glasplatte geben und die Walze darüber rollen, bis sie gleichmäßig eingefärbt ist. Zu dicke Farbe kann mit ein wenig Wasser verdünnt werden. Mit der eingefärbten Walze Spuren aufs Papier bringen, dabei kann der Druck der Hand unterschiedlich sein, so dass helle Töne mit dunklen wechseln. Walze mehrmals abdrücken, bevor sie wieder eingefärbt wird. Die Walze hinterlässt rechteckige Spuren, die man durch ein Drehen der Walze um sich selbst oder durch teilweises Abheben der Walze verändern kann. Achten Sie auf eine gleichwertige Verteilung von hellen und dunklen Tönen.

Schablonendruck: Aus Pappe werden Formen oder Figuren ausgeschnitten, mit Farbe eingewalzt, mit der eingefärbten Seite auf Papier gelegt und mit der Hand oder einer sauberen Walze aufgedrückt. Durch mehrfaches Abdrücken einer Schablone kann man Schattenwirkungen erzielen. Teile, die sich überschneiden, geben Farbverstärkungen. Das Verwenden mehrerer Farben ergibt Farbmischungen. Bei dieser Druckart möglichst einfache Schablonen schneiden und dafür die eben besprochene Effekte durch Überschneidungen zur Wirkung kommen lassen.

Materialdruck: Sie können jedes Material verwenden, das sich einwalzen lässt und eine einigermaßen glatte Oberfläche besitzt. Auf Abb. 1 sehen Sie ein Blatt, das abgedruckt wurde. Sie sehen, dass alle
Strukturen sichtbar werden. Variieren Sie auch hier wieder hell und dunkel, indem Sie den eingewalzten Gegenstand mehrmals abdrücken. Sie erhalten einen neuen Effekt, wenn Sie mit einer zweiten, sauberen Walze über das Blatt rollen und so die Farbe von den erhabenen Stellen (Blattadern) aufnehmen und auf Papier abrollen. Experimentieren Sie selbst ein bisschen, vielleicht kommen Sie zu ganz neuen Ergebnissen. Als „Druckstöcke" eignen sich noch grobes Leinen, Sackleinen, Tüll, Spitzen, Borten, Netze, Gitter, Holzstücke mit starker Maserung, geflochtene Dinge usw. Bei Textilien wird sich die Farbe mit der Zeit zwischen die Fäden setzen, daher ab und zu waschen.

Schnurdruck: Bei dieser Technik arbeitet man schon mit einem Druckstock oder Stempel, da die Schnur oder Kordel in einem Muster auf dickere Pappe oder Holz geklebt wird. Auf einem Stempel kann immer nur eine einheitliche Stärke aufgeklebt werden. Es darf keine Überschneidung entstehen. da sonst die gleichmäßige Höhe verloren geht. Bilden Sie erst ornamentartige Motive, so dass Sie die Schnur fortlaufend in Kurven und Schlingen legen können. Bei Figuren (sehr vereinfacht!) müssen Sie mit Schnurteilen arbeiten. Bei dieser Drucktechnik auf weicher Unterlage drucken.

Kartoffeldruck: Sie benötigen hierzu außer rohen Kartoffeln noch Messer, Pinsel und, je nachdem ob Sie Papier oder Stoff bedrucken, normale Deckfarben oder Stofffarben. Die Kartoffel ist Ihr Druckstock, lassen Sie darum zur besseren Handhabung einen “Griff" stehen. Die Stempelfläche muss glatt zugeschnitten sein.

Linoldruck: Der Linolschnitt hat sich nach der Erfindung des Linoleums (ca. 1860) aus dem Holzschnitt entwickelt. Der Linoldruck ist ein Hochdruckverfahren. An Werkzeugen hierfür benötigen Sie: nicht zu hartes Linoleum in einer Dicke von etwa 3 - 4 mm, zum Schneiden ein Linolschnittbesteck, das aus einem Halter besteht und aus den Einsätzen: Geißfuß, Riller, Flachausheber und Konturenmesser (Abb. 2). Weiter brauchen Sie Linoldruckfarbe, Terpentin (zum Verdünnen der Farbe und zum Säubern) und natürlich, wie bei allen Drucktechniken, Walze, Glasplatte und einen zu bedruckenden Untergrund. Beim Entwurf auf flächige Wirkung achten, Überschneidungen vermeiden, Es gibt zwei Möglichkeiten, den Stempel zu schneiden:

1. Man schneidet Linien aus und lässt den Hintergrund stehen. Sie erhalten so beim Abdrucken eine weiße Zeichnung auf dunklem Grund (negativ).

2. Linien und Flächen bleiben stehen, nur der Hintergrund wird ausgehoben. Somit erhalten Sie eine dunkle Zeichnung auf weißem Grund (positiv).

Die beiden Arten des Schneidens können natürlich miteinander verbunden werden.

Schneidetechnik: Lernen Sie die Wirkungsweise der Messer durch Schneideversuche kennen. Ziehen Sie Ränder erst mit dem Geißfuß und holen Sie dann die Fläche mit einem Flachausheber heraus. Für feine Linien, wie z.B. Stengel, verwenden Sie nur den Geißfuß. Mit dem Konturenmesser können Sie Ränder gut nacharbeiten, dabei das Messer leicht schräg nach innen halten. Vorsicht: Beim Schneiden befindet sich die linke Hand nie in Schneiderichtung des Messers; immer dahinter! Ein Abrutschen mit dem Messer ist sehr leicht möglich. Zum Abdruck Linoleum mit Farbe einwalzen, auflegen und mit einer Walze gut andrücken. Vorsichtig abheben.  
Monotypie:
Eine Glasplatte wird mit Farbe eingewalzt und saugfähiges Papier (Seidenpapier, Japanpapier mit matter Oberfläche ist besonders zu empfehlen) ganz locker aufgelegt Mit Bleistift oder Pinselstrich auf die Papierrückseite zeichnen. Das Papier wird da bei teilweise auf die Glasplatte gedrückt und nimmt so Farbe auf.

Nach einigem Experimentieren können Sie mit dieser Technik besonders reizvolle Bilder schaffen. Ein Abdruck lässt sich nicht mehr korrigieren, er ist einmalig (Monotypie). Arbeiten Sie darum ruhig und konzentriert. Es lassen sich mehrere Monotypien übereinander drucken, so dass neue Formen und Farbwirkungen entstehen.